Oliven, Wüste, Regen und Synagogen: Jerusalem, Israel und Palästina im Oktober

Liebe Freunde, Bekannte, Unterstützer und Leser!

Es ist nun schon fast drei Wochen her, dass ich mich das letzte Mal gemeldet habe.

In dieser Zeit ist so unglaublich viel passiert, dass dieser Bericht vermutlich länger wird, also nehmt euch genug Zeit zum Lesen. 😉

Zunächst möchte ich gern mitteilen, dass die Lage hier sich seit ungefähr zwei Wochen wieder sehr beruhigt hat. Zumindest in Jerusalem, in der Westbank gibt es allerdings nach wie vor Ausschreitungen.

Ich glaube, dass die Lage in Deutschland aber immer noch viel dramatischer dargestellt wird, als sie ist. Dazu möchte ich allen, die sich sorgen nur sagen: Danke, dass ihr an mich/uns denkt, aber uns geht es hier wirklich wunderbar und wir machen weiterhin fantastische Erfahrungen.

Macht euch keine Gedanken um unsere Sicherheit, wir sind hier absolut sicher und dank unseren Vorgesetzten und Freunden absolut behütet.

Glücklicherweise sind wir aber in unserer Bewegungsfreiheit nicht mehr eingeschränkt und können dahin gehen, wo wir hin möchten. Das ist vermutlich auch der Grund, aus dem wir in letzter Zeit immer in Aufbruchsstimmung waren, schon allein nur um unsere neu zurückgewonnen Freiheiten zu genießen.

Ich möchte diesen Artikel deshalb, damit man auch den Überblick behält, wie einen Tagebucheintrag gestalten. Wir waren mit dem letzten Eintrag am Samstag, dem 10.10. stehengeblieben.

11. Oktober 2015, Sonntag

Heute war, wie jeden Sonntag, zunächst ein Gottesdienst. Danach war ich das erste Mal seit meiner Ankunft beim Friseur. Der Salon befindet sich gleich bei mir um die Ecke und wird von zwei Herren betrieben, die sehr freundlich sind. Sie haben mir schon einen neuen Namen gegeben, weil sie mir nicht glauben wollen, dass ich keine Vorfähren aus Syrien, Saudi-Arabien oder Jordanien habe: für sie heiße ich Abdallah. Nebenbei liefen immer höchstaktuelle News aus Hebron, mit Live-Aufnahmen von den Ausschreitungen, was einerseits immer wieder interessant, aber auch höchst erschreckende Wirkung hat.

Nach dem Friseurbesuch waren die Haare schön kurz und Gesine, Friederike und Ich unternahmen einen gemeinsamen WG-Ausflug ins Hadassah-Krankenhaus. In diesem außerhalb von Jerusalem gelegenen Krankenhaus befindet sich nämlich eine Synagoge mit eigens von Marc Chagall gestalteten Fenstern. Diese wollten wir uns anschauen und wurden auch nicht enttäuscht.

Zunächst wollte ich mir aber eine Kippa kaufen, da ich es für respektlos halten würde immer ohne in Synagogen zu gehen. Also suchten wir auf dem Weg noch schnell einen Szene-Laden auf: Kippa-Man. Es ist faszinierend: in diesem winzigen Shop stapeln sich die Kippas bis unter die Decke! Mit allen möglichen Motiven. Fußballvereine (auch Bayern, Dortmund und Stuttgart), Film-Mottos, aber auch ganz schlichte Themen sind hier verarbeitet. Man kann sich aber auch Spezialanfertigungen herstellen lassen. Ich ließ mir zunächst die durchschnittlichen Normalen geben und schaute mich dann noch einmal genauer um. Im Endeffekt verließ ich den Laden mit diesen zwei Andenken:

So fuhren wir also mit einem der Egged-Busse (israelische Busse) in den Ort Ein Kerem, einem kleinen Dorf ausßerhalb von Jerusalem. Hier stiegen wir direkt am Hadassah Krankenhaus aus, was nicht schwierig zu verfehlen war, weil es ein Uniklinikum und deswegen, wie UKE oder Charité in Deutschland) verhältnismäßig sehr groß ist.

Wir fanden auch nach kurzer Suche die Synagoge in der zufällig gerade eine Frau etwas über die Fenster erzählte. Die ältere Dame sprach fließend englisch und kannte sich sehr gut mit Chagall aus, da sie selbst einst mit ihm befreundet war. So erläuterte Sie uns jedes Einzelne der Fenster, welche im Übrigen atemberaubend schön waren. Jedes steht für einen der Söhne Jakobs. Chagall selbst lag viel an Ihnen, sodass er selbst nach einer Zerstörung im Krieg kam, um sie zu reparieren.

Ein sehr eindrucksvolles und einmal anderes Kunstwerk.

Nachmittags wollten wir noch das Nachbardorf En Kerem besuchen, wofür wir eine Abkürzung über ein Gelände der russisch orthodoxen Kirche nutzen wollten, von dem man einen herrlichen Ausblick hatte.

En Kerem ist übrigens der Überlieferung nach der Geburtsort von Johannes dem Täufer.

Was wir nicht wussten: Es gibt zu dem russischen Compound zwar Oben und Unten einen Eingang, doch der Untere machte nachmittags zu. Als wir also kurz vor Sonnenuntergang ankamen standen wir vor verschlossener Türe und durften wieder umkehren, da die russischen Nonnen kein Englisch verstanden und uns deshalb auch das Tor nicht öffnen wollten. Dumm gelaufen, im wahrsten Sinne des Wortes. Nun gut, also besuchen wir das Dorf En Kerem ein anderes Mal. Der Tag war trotzdem schön und wir waren viel an der frischen Luft.

12. Oktober 2015, Montag

An diesem Tag hatten Gesine und ich ein weiteres Mal frei. Da ich nach dem Aufenthalt in der Nähe von En Kerem am Vortag keine Lust mehr hatte große Strecken zu absolvieren entschlossen wir etwas in der Nähe zu Unternehmen. So gingen wir ins jüdische Viertel und schauten uns die große Synagoge der Altstadt, die Hurva-Synagoge an. Wir bekam sogar von einem netten jungen Herrn eine 40-minütige Führung. Hurva bedeutet übrigens Zerstörung, was darauf beruht, dass dies die vierte Synagoge an dieser Stelle ist, da die Vorgängerversionen alle mit der Zeit zerstört wurden. Das hat aber ja an sich nichts schlechtes, weil es auch immer einen Wiederaufbau gab und nur durch Zerstörung und Vergängnis Neues entstehen kann.

Die Hurva Synagoge (Außen und Innen)

Die Aussicht vom Dach der Hurvasynagoge

13. Oktober 2015, Dienstag

Ein normaler Arbeitstag, abends hatten wir Arabischsprachkurs, wie immer dienstags und donnerstags.

14. Oktober 2015, Mittwoch

Tagsüber arbeitete ich, abends fuhr ich ins Café Auguste Victoria, um mit den anderen Volontären die After-Work-Party zu veranstalten, sprich das Essen (Lasagne) auszuteilen, zu bedienen und auszuschenken. Das ist uns, dafür, dass es das erste Mal ein eigens von Uns veranstaltetes After-Work war, ziemlich gut gelungen.

15. Oktober 2015, Donnerstag

Ich verrichtete nachmittags ganz gewöhnlich meine Arbeit im Café Auguste Victoria auf dem Ölberg, als mich die Nachricht meiner Mitbewohnerin erreichte, dass ich Post bekommen hätte. Nachdem ich also nach dem Sprachkurs in meine Wohnung kam, war tatsächlich ein Paket gekommen!

Danke an dieser Stelle an meinen besten Freund Tobi, mit dem ich seit Kindergartentagen einfach alles gemacht habe und den ich natürlich schon vermisse. Ich habe mich so unglaublich über dieses Teil gefreut, das glaubst du gar nicht!

Einerseits eine großartige Erinnerung an zu Hause, andererseits eine wirklich schöner Gebrauchsgegenstand, weil ich hier einfach jeden Tag Kaffee trinke, viel mehr als zu Haus. Die Tasse hat mir wirklich den Abend gerettet.

16.Oktober 2015, Freitag

An diesem Abend wollten Gesine und ich den Anderen Volos mal eine Bar zeigen, die wir durch eine Bekannte kennengelernt hatten, um das Wochenende einzuläuten. Also gingen wir dort etwas essen und trinken, bestellten uns eine Nargile und feierten bis in den späten Abend zusammen.

17.Oktober 2015 Samstag

An diesem Tag fand in unserer kleinen aber feinen Johanniterkapelle mal wieder ein dänischer Gottesdienst statt. Dieser fiel auf die nachmittägliche Zeit von 16.00 Uhr. Das bedeutete für mich: 14.30-18 Uhr: Rezeptionsdienst.

Was fällt jetzt auf? Richtig. Bundesliga-Zeit. Was machte ich also? Not macht erfinderisch. Also setzte ich mich an die Rezeption und schaute mir dort das Spiel meiner Hertha gegen Schalke 04 an. Es war unglaublich spannend, aber auch, wenn Hertha sehr knapp durch ein Tor in der Nachspielzeit verlor, hat es sich schon aufgrund der Blicke verwirrter Dänen gelohnt. Immer wenn ich plötzlich zuckte, aufsprang oder die Hände vors Gesicht schlug und gerade einer aus der dänischen Gemeinde anwesend war, wurde ich nämlich betrachtet als wär ich etwas verrückt. Als sie dann begriffen warum, waren sie aber eher amüsiert. Ziemlich lustig.

Nach dem Ende des knappen Spiels, das mich viele Nerven kostete (jeder Fußballfan weiß, wovon ich spreche) wollte ich aber gerne noch entspannen.

Also beschlossen meine Mitbewohnerin Friederike und ich gemeinsam ins Kino zu gehen. So zogen wir quer durch Jerusalem in die „Cinema-City“, das größte Kino der Stadt und schauten uns „Der Marsianer“ mit Matt Damon in Englisch mit hebräischen Untertiteln an. Den Film kann ich nur weiterempfehlen, der ist wirklich gut und mit viel Witz, Charme aber auch Action gemacht.

Den Brauch, dass man im Kino aber ständig klatscht, wenn eine spannende, berührende oder heldenhafte Szene gezeigt wird, kannte ich allerdings vorher noch nicht und fand ich etwas komisch. Naja, andere Länder, andere Sitten.

Die beiden Blues-Brothers warteten im Kino auf ihren Film 😉


18.Oktober 2015, Sonntag 

Da der Film erst um 22.30 Uhr begann, gingen wir erst nachts um 1 zurück. Deshalb bekam ich in dieser Nacht nicht sehr viel Schlaf, was mich aber nicht groß störte, weil der Tag einfach großartig war.

Morgens, als ich um 8 Uhr an der Rezeption sitzen musste bereute ich die Entscheidung spät ins Bett zu gehen, konnte mich aber gerade noch so wach halten. Da die anderen Volos heute ohne mich nach Massada gefahren waren, bekam ich das Angebot von Friederike mit ihr und Ute nach Tel Aviv zum Strand zu fahren. Gesagt, getan. Auch wenn das Wetter nicht so warm  war, war es trotzdem ein netter Badeausflug.

Nach Einbruch der Dunkelheit gingen Friederike und ich noch in die Innenstadt und ich aß einen Burger bei McDonalds. Ich war sehr überrascht.

Ich hätte nie gedacht, dass es auf der Welt auch McDonalds-Läden gibt, die ihre Burger frisch und lecker zubereiten. Ich bin von diesem einen Chickenburger, den ich bestellt habe satt geworden! Der war so groß wie zwei Fäuste und ich konnte dabei zuschauen, wie sie ihn aus frischen Zutaten herstellten.

Zudem war der McDonalds-Laden sehr aufgeräumt und fast leer. Das zeigt, dass McDonalds hier eher so etwas wie eine der nobleren Ketten ist, denn die Qualität hatte hier auch seinen Preis. Ein kosherer Chickenburger: 24, 90 Schekel, also knapp 6 € (im Vergleich: in Deutschland kostet ein Chickenburger bei McDonalds 1,10€, ist aber auch definitiv nicht vergleichbar).

Mit guter Musik fuhren wir mit Ute im Dunkeln zurück nach Jerusalem.

19.10.2015, Montag

Heute, an meinem freien Tag wollte ich gern etwas unternehmen. Alle Freunde mussten aber arbeiten, sodass ich wohl allein losziehen musste. Dabei war es wirklich nicht einfach etwas zu finden, weil wir in Jerusalem mittlerweile fast alles Sehenswerte angeschaut hatten.

Im Endeffekt entschied ich mich aber dann dafür den katholischen Zionsfriedhof zu besuchen. Ich fand auch das, nachdem ich gesucht hatte: das Grab von Oskar Schindler.

 

Es ist immer wieder faszinierend, was für eine Geschichte hier auf den Friedhöfen liegt, egal, auf welchen man geht.

Gegen Mittag fuhr ich noch in die Weststadt um etwas auf dem Mahane-Yehuda-Markt einkaufen zu gehen. Hier traf ich durch Zufall sogar eine bekannte Volontärin aus Westjerusalem.

Was für ein Zufall. Es ist wirklich faszinierend, ja schon fast ein Phänomen in dieser Stadt. Man kann nicht durch die Stadt gehen ohne Leute zu  treffen, die man kennt. Allein an diesem Tag habe ich beim Gehen durch die Stadt drei Bekannte getroffen, und das alles, obwohl Jerusalem die größte Stadt Israels ist. Sie hat also auch irgendwie etwas unbeschreibliches familiäres, ja fast dörfliches.

20.Oktober 2015, Dienstag

An diesem Tag passierte neben der Arbeit nichts Außergewöhnliches. Ich kam lediglich bei einer meiner vielen Geige-Übe-Sessions auf die Idee mir eine Cajón zu bauen, weiß allerdings noch nicht so recht, wo ich hier das nötige Holz herbekommen könnte.

21.Oktober 2015, Mittwoch

Heute arbeitete ich in der Propstei. Abends gab es beim After-Work allerdings Zwiebelkuchen, was überhaupt nicht mein Ding ist, weshalb ich lieber unten in unserer WG die Stellung hielt und etwas Zeit für mich hatte.

22. Oktober 2015, Donnerstag

Der freundliche Kellner im Café Auguste Victoria.

 

 

 

 

An diesem Donnerstag war im Café sehr viel los, was viel Arbeit für mich bedeutete. Im Laufe des Tages machte ich ca. 12 Sandwiches, was schon fast eine Art persönlicher Rekord ist.

 

 

 

23. Oktober 2015, Freitag

Nach dem Sprachkurs am Abend wurde außerdem Open House gefeiert, denn einmal alle sechs Wochen öffnet das Propstehepaar seine Wohnung für Gäste. Wir Volos waren natürlich alle anwesend, um Stimmung in die Veranstaltung zu bringen und es war ein sehr schöner Abend mit interessanten Begegnungen und Gesprächen.

An diesem Tag bekam ich frei.

Frei, um zu Arbeiten. Denn ich durfte bei der Olivenernte der Volontäre der Talitha Kumi Schule aus der Westbank mithelfen. Die kamen zwar eine halbe Stunde nach Uns an, weil die Zeit in der Westbank einen Tag früher umgestellt wurde als in Israel, aber das machte nichts.

Oliven ernten ist eine wirklich harte Arbeit.

Am Anfang denkt man: das ist ja entspannt, das kann man die ganze Woche machen. Aber schon nach einem Tag arbeiten, mal gestreckt, mal geduckt, mal sitzend, mal hockend, mal stehend, merkt man in der Wirbelsäule und den restlichen Knochen deutlich, was man getan hat und ist hundemüde (und ziemlich schmutzig).

Mein Highlight des Tages war aber dieses putzige Tierchen, das uns auf einmal über den Weg lief. 

24. Oktober 2015, Samstag

Am 24.10. trank ich mittags zunächst mit meinen Mitbewohnerinnen und Kathrin und Magnus einen Kaffee im österreichischen Hospiz. Hier geht es zu wie in einem österreichischen Schloss. Man sitzt in einem netten Garten und wenn man einmal hineinschaut, dann ist der Laden wirklich nobel (Kronleuchter gehören zur Grundausstattung).

Vorbereitet auf das Schlimmste. 😀

Nachmittags gingen Kathrin und ich außerdem ins streng orthodoxe Viertel „Me`a She`arim“. Was wir hier erlebten war unvergesslich.

Am Shabbat sind die Juden ja alle spazieren, weshalb man sehr viele Orthodoxe auf der Straße sah. Außerdem waren die Kinder fast alle am Seil springen.

Als Fremder erntet man hier normalerweise böse Blicke, oder wenn man falsch gekleidet ist oder sich falsch benimmt sogar schlimmeres, aber da ich eine Kippa trug und Kathrin einen langen Rock, wurden wir noch geduldet und manchmal sogar angelächelt. Richtig wohl oder sicher fühlt man sich als Außenstehender hier trotzdem nicht.

Orthodoxe Juden tragen hier sogar alle die traditionellen schwarzen Anzüge, Hüte und die Schläfenlocken. Man merkt beim Durchschreiten deutlich, wie groß dieser Stadtteil, der aus vielen einzelnen Vierteln besteht, ist und dass er trotzdem noch wächst.

Zudem ticken die Uhren hier irgendwie anders. Es herrscht, zumindest am Shabbat, eine sehr ausgeglichene und besondere Ruhe, wie ich sie sonst noch nirgendwo erlebt habe.

Ich glaube ich kann sagen, dass dies einer der eindrücklichsten und spannendsten Ausflüge war, die ich hier bis jetzt gemacht habe.

25.Oktober 2015, Sonntag

Die Nacht auf den Sonntag hatte ich oben bei Magnus und Kathrin verbracht, weil wir früh nach En Gedi fahren wollten. So wurden wir morgens bis zum Toten Meer von einem Bekannten mitgenommen, der uns mitten in der Wüste an einer Raststätte absetzte, an der wir auf den Bus warteten.

Ein Kamel an der Autobahnraststätte.
Na, wer findet das Tier? 😉

En Gedi ist ein Oase, heute ein Nationalpark und liegt in dem Gebiet zwischen der judäischen Wüste und dem Toten Meer. Früher wurde vermutet, dass hier der Eingang zum Garten Eden läge und es gab den Mythos, dass König David hier seinen Sohn Salomon erzog. Recht wahrscheinlich ist außerdem, dass hier eines der Hohelieder Salomons entstand.
Der kam auch nach ca. einer halben Stunde, sodass wir wie geplant nach En Gedi weiterfahren konnten.

 

Diese Treppe erinnerte mich beim Besteigen stark an die „Minas Morgul“ aus dem Herrn der Ringe.

Das war sowieso eine sehr kuriose Erfahrung: man ist das erste Mal in seinem Leben in der Wüste, es ist heiß und trocken – und plötzlich, sobald wir am „Hidden Waterfall“ oben im Wadi Agurot angekommen waren, begann es zu regnen!?Wie man sieht, ist dieser Nationalpark im Allgemeinen aber einfach landschaftlich unglaublich sehenswert, v.a. wenn man wandern mag. Wir gingen im Laufe des Tages zunächst die etwas anspruchsvollere Strecke, den Wadi Agurot, und danach auch noch ein Stück den Wadi David, also die Touristenstrecke hoch. Diese konnten wir aber leider nur zu einem sehr kleinen Teil besteigen, da es aufgrund von Regen zu gefährlich wurde noch weiter hinauf zu gehen.

„The Hidden Waterfall“

Nach dem Trip mussten wir allerdings fast zwei Stunden auf den Bus warten – wobei die gute Laune verflog. Das dauerte nämlich solange, weil in der Zwischenzeit einfach keine Busse waren. Zwischendurch waren wir sogar so verzweifelt, dass wir Geld über die Straße hielten, in der Hoffnung uns würde jemand mitnehmen. Umso mehr feierten wir deshalb, als der Bus tatsächlich kam.
Den Rückweg machten wir dann in tröpfelndem Regen und leichtem Wind, während am Horizont Blitze auf das Tote Meer niederzuckten. Außerdem hatte ich eine mobile Musikbox im Rucksack, über die wir dann passende Filmsoundtracks hörten, sodass man sich fast wie bei Herr der Ringe, Winnetou oder Fluch der Karibik fühlte. Dadurch wurde eine wahrhaft epische Stimmung erzeugt und man bekam trotz schlechtem Wetters gute Laune.

Kurios war es dennoch. Ich meine: Wer kann den bitte behaupten bei strömendem Regen, am Toten Meer, so lange, mitten in der Wüste, klatschnass an einer Bushaltestelle gesessen zu haben? =D

Sobald wir im Bus saßen wurden wir fast alle müde, weshalb wir den Rest des Tages, also den Abend, jeder bei sich zuhause verbrachten, um uns von diesem anstrengenden Tag auszuruhen.

26. Oktober, Montag

Dieser Tag war ein normaler Arbeitstag, ich erholte mich von dem anstrengenden Vortag. Am Abend gingen wir zu Barbara, unserer Chefin, die zum Pizzaessen anlässlich ihres Geburtstags einlud. Dabei entstand während eines Gewitters dieses schöne Foto.

27. Oktober, Dienstag

Am 27. Passsierte nichts Besonderes, außer dass ich von der Arbeit aus eine Gruppe auf den evang. Zionsfriedhof ließ, zu dem nur der Propst einen Schlüssel hat.

Was den Sprachkurs betrifft merken wir langsam Fortschritte. So können wir mittlerweile anhand von einzelnen Worten oder Sätzen herausfinden, worüber die Beteiligten in einem Gespräch sprechen.

28.Oktober 2015, Mittwoch

An diesem Tag war After-Work und ich schlief das erste Mal im Café, weil ich am nächsten Tag eh oben arbeitete und die Busse nicht mehr fuhren.

666 Mücken freuten sich darüber, dass ich hier schlief. 🙂

29.Oktober 2015, Donnerstag

Ich arbeitete im Café und ging abends zum Sprachkurs, ein sehr entspannter Tag.

30. Oktober 2015, Freitag

Es wurde der Reformationstag vorbereitet, wobei ich allerdings nur halb geholfen habe, weil ich das erste Mal am kränkeln bin und mit Anzeichen einer Erkältung zu kämpfen habe. Grund dafür ist denke ich mal das ständige Wechseln von kalt zu warmen Temperaturen derzeit und dass es immer schon um 16.30 Uhr dunkel wird.

Allerdings bringt einem dieses kühle und dunklere Wetter auch ein Stück Heimatgefühle.

31.Oktober 2015

Er ist da. Der Reformationstag. Der zweitwichtigste Tag für unsere Gemeinde im ganzen Jahr. Lange haben wir den Empfang und den Gottesdienst vorbereitet, ich bin schon etwas aufgeregt. Wir Volos werden Anzüge tragen und es werden 180 Leute zum Empfang und mindestens 400 zum Gottesdienst erwartet. Besonders an diesem Tag ist, dass die palästinensische, die dänische, die niederländische, die amerikanische und die deutsche Gemeinde zusammen feiern. Ich bin gespannt, was ich darüber bald berichten kann!

Außerdem hat meine Schwester Lydia heute Ihren 22.Geburtstag. Ich freue mich schon ihr nachher gratulieren zu kommen, wenn auch nur am Telefon.

Unser dezenter Hinweis auf den Reformationstag in einer sonst so arabischen Welt.

Allgemein versuche ich euch natürlich immer so gut wie möglich auf dem Laufenden zu halten! Ich hoffe in Deutschland versteht jeder, dass es hier sehr viel Arbeit und sehr viel zu tun gibt. Das ist nämlich der Grund dafür, dass ich mich erst jetzt, nach drei Wochen wieder melden konnte. 🙂

Alles in allem aber vielen, vielen Dank noch einmal für das Lesen und das starke Interesse an diesem Blog und meinem Leben hier. Ich bin immer wieder verblüfft und erfreut, wenn ich höre, wer alles meine Berichte liest.

Herzliche Grüße an alle Freunde und Bekannte in Deutschland. Ich denke an Euch und macht euch bitte keine Sorgen um mich, das ist mir Wichtig.

Bis dann, Masalam,

Leander

 

***Nachtrag***

„Cass“ kommentierte am 13. September 2016 um 20:44 Uhr:

„Orthodoxe Juden tragen hier sogar alle die traditionellen schwarzen Anzüge, Hüte und die Schläfenlocken.“

Kleine Korrektur: Diese Kleidung wird von ULTRA-orthodoxen jüdischen Männern getragen, nicht von orthodoxen generell. Mea Shearim ist ja auch ein ultra-orthodoxes Viertel.

— Danke für die Verbesserung dieser Ungenauigkeit, Cass! 🙂 —

 

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