Schakale, Strand und Melodien

Allgemein

Liebe Blog-Leser, liebe Freunde, Verwandte, Bekannte und vielleicht auch Unbekannte.

Hier ist er nun, der nächste Eintrag.

Lasst mich in diesem Artikel ein Wenig über meine üblichen Erfahrungen und Unternehmungen sprechen, bevor ich mich in einem separaten Artikel (folgt die nächsten Tage) den unangenehmeren Themen widme, die zur Zeit unser Umfeld erschüttern.

Wie ich ja im letzten Artikel erzählte, war ich am 27. September in Tel Aviv.

Am Montag folgte dann ein weiterer freier Tag, den wir natürlich prompt zu nutzen wussten!

Dieser Abend war nämlich der, an dem der berühmte Blutmond zu sehen sein sollte. Also nutzten wir die Gelegenheit und nahmen an einer Mondscheinwanderung über die Terrassen von Battir teil.

Diese Terrassen sind Weltkulturerbe und wurden rein von Menschenhand erschaffen. Sie sind seit alttestamentlichen Zeiten bebaut, sehr schön und idyllisch ohne Ende.

Die untergehende Sonne.

Auf den Terrassen.

Der Blick ins Tal.

Der aufgehende Mond.

Aber am Genialsten war neben der Landschaft der Moment, in dem der Mond aufging. Wir warten so ca. eine halbe Stunde auf ihn, weil er hinter den Bergen versteckt war. Doch als die Wolken sich verzogen und er das Tal in gleißendes, weißes Mondlicht tauchte, stellten sich mir die Nackenhaare auf: die Schakale (also sozusagen die nahöstlichen Kojoten) begannen zu heulen!

Dass diese Reaktion auch in der wahren Natur und nicht nur im Film existiert, ja, diesen gesamten Moment, in dem Einer nach dem Anderen in den Gesang einstimmte, werde ich nie vergessen.

Wir gingen also im Mondschein eine große Runde und wieder an den Autos angekommen, setzten wir uns in ein Restaurant, um zu essen. Da Gesine und Ich aber einen Autoplatz ergattern konnten, fuhren wir früher.

Meine Geige hier, geliehen von unserem Kirchenmusikdirektor.

Am Dienstag, dem 29. war meine letzte Chorprobe. Denn ab der nächsten Woche würde ich einen Sprachkurs in arabisch belegen, bei dem die Uhrzeiten sich mit denen des Chors überschnitten. Schade, aber leider nicht zu ändern. Allerdings haben unser Kirchenmusikdirektor und ich beschlossen, dass ich dennoch selbstständig mit den Noten üben werde, um trotzdem bei den Gottesdiensten und Konzerten dabei sein zu können.

Außerdem möchte ich mich bald mit der Geige in die Gottesdienste einbringen!

 

Einbringen kann man sich hier sehr gut, vor allem in der WG.

 

Wir machen zum Beispiel (fast) immer im Teamwork Essen. So lerne ich mittlerweile richtig kochen.

Selbstgemachte Pommes, Nudeln oder Reis mit angebratenem Gemüse oder Tomatensoße, Bratkartoffeln, für das Café Kekse oder Linzer Torte, selbstgemachte Lasagne, alles kein Problem mehr! Wenn wir ein bisschen mehr Übung haben, wird das Essen sogar noch besser schmecken. 🙂


Meistens nehmen wir die Mahlzeit auch gemeinsam zu uns, was eigentlich immer sehr schön ist.

Allgemein ist es aber ganz schön selbst verantwortlich zu sein, selbst zu Waschen, zu Putzen und zu Kochen, das kann glaube ich  jeder nachvollziehen, der erst einmal aus dem Hotel Mama ausgezogen ist.

Allgemein geschah in dieser Woche nicht mehr viel, lediglich Sonntag. Hier war Erntedankgottesdienst, bei dem unser Chor sang.

Am Nachmittag ging’s nach Jaffa an den Strand, wo wir ziemlich coolen Wellengang hatten und Abends Essen. Der Ausblick war wunderbar!

Am Montag wollten wir eigentlich einen Filmabend für Volos machen, aber der musste leider ausfallen, weil sich keiner traute, bei der Situation, die hier herrscht, bzw. herrschte nach oben auf den Ölberg zu fahren. Generell ist es nämlich so, dass die Anspannungen im Osten sehr stark, in der Weststadt aber nahezu nicht vorhanden sind.

Das ist auch der Grund, weshalb ich am nächsten Tag mit unserem Propst und seiner Frau (Wolfgang und Anette) und Gesine und Friederike zu einer Veranstaltung der Konrad Adenauer Stiftung gehen konnte. Diese Konferenz war mit mehreren bekannten Referenten (u.a. Dr. Nikolaus Schneider, Moshe Zimmermann und David Witzthum) und behandelte den Berliner Propst Heinrich Grüber und die damit verbundenen deutsch-israelischen Beziehungen. Ein sehr interessanter und intellektueller Abend.

Mittwoch waren wir zunächst auf dem Mahane-Yehuda-Markt, dem größten israelischen Markt in Westjerusalem. Dort kauften wir das erste Mal typisch europäisches Essen wir Brot und Käse.

Danach musste ich noch arbeiten und abends ging’s ins Café zur After-Work-Party, wo wir herrliches Gulasch verzehrten.

Es folgte der Donnerstag, der sehr stressig werden sollte. Zunächst musste ich bis um 16.30 Uhr oben im Café arbeiten, dann schnell runter fahren, weil um 17.15 Uhr der Sprachkurs begann. Der war übrigens ziemlich lustig, weil wir mit 10 deutschen Freiwilligen in einem Kurs sind und ausschließlich Arabisch sprechen dürfen. 😀

Der Sprachkurs war um 19.25 vorbei, weil die nette Lehrerin ca. 10 Minuten überzogen hatte. Das war der Grund dafür, dass ich im Endeffekt laufen musste, um meine nächste Verabredung noch einhalten zu können.

Denn am Donnerstag Abend folgte mein absolutes Wochenhighlight. Ich hatte nämlich durch Zufall eine Anzeige bei Facebook gesehen, dass eine Stradivari-Geige in der Stadt ist… und daraufhin natürlich sofort Karten gebucht.

Friederike, Ute (eine Bekannte aus dem Chor und der Gemeinde, die für die UN/GiZ arbeitet) und ich fuhren also zum Jerusalem Theatre und schafften es gerade noch pünktlich um Acht da zu sein.

Auftreten sollte Kolja Blacher, ein Berliner Solist, der mit seiner Stradivari-Geige von 1730 das Tschaikowsky Violinenkonzert spielte. Er holte schon mit 15 Jahren den Bundeswettbewerb in „Jugend musiziert“ und spielte mit Vielen der großen Orchester dieser Welt, ist außerdem Prof. der Musik! Es lohnt sich mal seine Biografie durchzuschauen (z.B. bei Wikipedia).

Außerdem folgte danach vom Jerusalem Symphony Orchestra gespielt die 7. Symphonie von Beethoven.

Die Symphonie war so durchschnittlich gut gespielt, also ganz unterhaltsam.

Aber Herr Blacher, war unglaublich! Einfach gigantomanisch! Seine Technik, der Klang seiner Geige, die Emotionen, die Bilder, die er in einem erzeugte, raubten einem während des Konzerts wahrlich den Atem.

Auch wenn ich es vorher nie gedacht hätte; der Mann steht David Garrett in nichts nach und ist einer von den ganz, ganz Großen!!!

Friederike und ich ließen den großartigen Abend noch in der WG mit einer Flasche Wein ausklingen.

Gestern, am Freitag rezeptionierte ich ausnahmsweise mal an der Kirchenpforte.

Abends grillten wir mit den Volos auf dem Ölberg und erfreuten uns des Fleisches.

Fleisch ist hier nämlich sehr teuer. Für einen Klumpen Hackfleisch, der vielleicht so groß ist wie zwei Fäuste, bezahlt man mehr als 10 Euro!

Also verzehrten wir genüsslich die Spieße und den Salat bei tollen Gesprächen und guter Musik.

Heute, am Samstag, war nicht sehr viel zu tun. Ich arbeitete an der Rezeption und schreibe nun diesen Bericht.

Alle sind derzeit etwas angespannt, da sich die Lage hier sicherheitstechnisch nicht so recht entspannen will, ständig neue Anschläge stattfinden.

Allgemein möchte ich an dieser Stelle nur allen, die das hier lesen versichern, dass es mir gut geht und ich mich in keinerlei Gefahr befinde bzw. aussetze.

Ein Bericht, der sich ausschließlich mit der Sicherheitsthematik befasst, wird in den nächsten Tagen folgen!

Masalam ihr Lieben!

Euer Leander

Ein Gruß aus der Heimat 🙂

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